Kurzdefinition
Was ist P-Glykoprotein (P-gp / MDR1 / ABCB1)? P-Glykoprotein (P-gp), auch MDR1 oder ABCB1, ist ein ABC-Effluxtransporter, der ein breites Spektrum an Arzneistoffen und Xenobiotika aus Zellen pumpt. Er wird im Darmepithel, an der Blut-Hirn-Schranke, in der Leber (kanalikuläre Membran), in den Nieren und in Tumorzellen exprimiert. P-gp ist einer der beiden klinisch wichtigsten Arzneistofftransporter – Prüfung für alle neuen Wirkstoffkandidaten nach den Leitlinien von FDA, EMA und ICH M12 verpflichtend.
Warum ist P-gp für die Arzneimittelentwicklung wichtig?
P-gp im Darmepithel wirkt als Torwächter – es pumpt oral verabreichte Arzneistoffe zurück ins Darmlumen und senkt so die Bioverfügbarkeit. Ein P-gp-Substrat hat eine geringere und schwankendere orale Bioverfügbarkeit, besonders bei gleichzeitiger Gabe von P-gp-Inhibitoren. An der Blut-Hirn-Schranke begrenzt P-gp die ZNS-Penetration – relevant für ZNS-Wirkstoffe (P-gp-Substrate erreichen keine therapeutischen Konzentrationen) und für die Sicherheit (Arzneistoffe ohne ZNS-Ziel überwinden die Blut-Hirn-Schranke unerwartet, wenn P-gp gehemmt ist).
P-gp und Multidrug-Resistenz
P-gp wurde ursprünglich als Mechanismus der Multidrug-Resistenz von Krebszellen entdeckt – Tumorzellen, die P-gp überexprimieren, pumpen Chemotherapeutika (Vincristin, Doxorubicin, Paclitaxel) heraus und werden so therapieresistent. Das ist in der Onkologie weiterhin eine große Herausforderung und treibt die Entwicklung von P-gp-Inhibitoren als Chemosensitizer voran.
P-gp-Inhibitionsprüfung
Zur Bestimmung des Inhibitor-IC50 – besonders bei hochpermeablen Substanzen, bei denen zellbasierte Effluxraten gestaucht sind – liefert der vesikuläre Transportassay mit Inside-out-P-gp-Membranvesikeln permeabilitätsunabhängige IC50-Werte, die sich für die Berechnung regulatorischer DDI-Grenzwerte eignen.
Wichtige Fakten
- Kodiert vom Gen ABCB1 (auch MDR1 – Multidrug Resistance Protein 1)
- Exprimiert in: Darmepithel (begrenzt die orale Resorption), Blut-Hirn-Schranke (begrenzt die ZNS-Penetration), kanalikulärer Membran der Hepatozyten (biliäre Ausscheidung), renalem proximalem Tubulus (renale Ausscheidung), Plazenta
- Zu den Substraten gehören: Digoxin, Vincristin, Paclitaxel, Doxorubicin, HIV-Proteaseinhibitoren, Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus), viele Statine
- P-gp-Inhibitoren (Verapamil, Ketoconazol, Ritonavir) erhöhen Bioverfügbarkeit und ZNS-Penetration von P-gp-Substraten – klinisch relevantes DDI-Risiko
- FDA und EMA verlangen für alle NMEs im IND-vorbereitenden DMPK-Paket eine Bewertung als Substrat und als Inhibitor
- In-vitro-Bewertung: zellbasierter bidirektionaler Transport (Caco-2, MDCKII-MDR1) zur Substratidentifikation; vesikulärer Transportassay für den Inhibitor-IC50
- Grenzwert: intestinal [I]/IC50 ≥ 0,1 oder systemisch Cmax,u/IC50 ≥ 0,02 macht eine klinische DDI-Studie erforderlich
Weiterlesen
- Was ist ein vesikulärer Transportassay?
- Von FDA & EMA geforderte Transporter für den IND
- Vesikulärer vs. zellbasierter vs. ATPase-Assay
- Was ist BSEP?
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